Edelstahl ist eine korrosionsbeständige Legierung, die in anspruchsvollen Anwendungsbereichen weit verbreitet ist. Zu den am häufigsten verwendeten Sorten zählen insbesondere die Edelstahlsorten 17-4 PH und 304, weshalb in diesem Artikel ein Vergleich zwischen 17-4 und 304 vorgenommen wird. Dieser Artikel befasst sich mit ihrer Zusammensetzung, Festigkeit, Korrosionsbeständigkeit, den Kosten sowie den gängigen Anwendungsbereichen.
Was ist 17-4-Edelstahl?
Edelstahl 17-4 ist eine martensitische, durch Ausscheidung gehärtete Legierung. Es handelt sich um einen hochfesten, äußerst korrosionsbeständigen Werkstoff. Er wird typischerweise in der Luft- und Raumfahrt, der chemischen Industrie sowie in der Lebensmittelverarbeitung eingesetzt. Die Legierung besteht aus Chrom, Nickel und Kupfer, was zu verbesserten mechanischen Eigenschaften führt.

Was ist Edelstahl 304?
Edelstahl 304 ist eine austenitische Legierung, die sich durch hohe Korrosionsbeständigkeit und Langlebigkeit auszeichnet. Er besteht aus Eisen, Chrom und Nickel und ist nicht magnetisch, oxidationsbeständig und rostfrei. Da er sich leicht formen und reinigen lässt, wird er häufig für Küchengeräte, Chemikalienbehälter und medizinische Geräte verwendet.

Edelstahl 17-4 im Vergleich zu 304: Die 10 wichtigsten Unterschiede
Chemische Zusammensetzung
- Edelstahl 17-4
Edelstahl der Sorte 17-4 enthält in der Regel 15–17% Chrom, 3–5% Nickel und 3–5% Kupfer. Außerdem enthält er geringe Mengen an Silizium, Niob und Mangan. Kupfer erhöht die Korrosionsbeständigkeit, während Niob die Legierung festigt. Diese Kombination bietet ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Korrosionsbeständigkeit, Festigkeit und Härte.
- Edelstahl 304
Der Edelstahl 304 enthält 18 bis 20 Prozent Chrom und 8 bis 10 Prozent Nickel. Außerdem enthält er geringe Anteile an Mangan, Silizium und Kohlenstoff. Diese Zusammensetzung verleiht ihm unter verschiedenen Bedingungen eine hohe Oxidations- und Korrosionsbeständigkeit. Aufgrund seines hohen Nickelgehalts, der ihm eine hohe Formbarkeit und Zähigkeit verleiht, ist er sehr vielseitig und findet in zahlreichen Bereichen Anwendung.
Wärmebehandlung und Härtungsfähigkeit
- Edelstahl 17-4
Edelstahl 17-4 ist ein ausscheidungsgehärteter (PH) Edelstahl. Er lässt sich durch Wärmebehandlung erheblich festigen. Das typische H900-Wärmebehandlungsverfahren umfasst das Erhitzen der Legierung auf 900 °F, das Halten bei dieser Temperatur und anschließendes Abkühlen an der Luft. Dadurch werden die mechanischen Eigenschaften des Werkstoffs, insbesondere seine Zugfestigkeit und Dauerfestigkeit, erheblich verbessert. Dies macht den 17-4 zu einem der festesten verfügbaren Edelstähle.
- Edelstahl 304
Die Wärmebehandelbarkeit von Edelstahl 304 lässt sich nicht mit der von Edelstahl 17-4 vergleichen. Es handelt sich um eine austenitische Legierung, was bedeutet, dass sie durch Wärmebehandlung nicht gehärtet werden kann. Stattdessen verdankt sie ihre Festigkeit ihrer ursprünglichen Zusammensetzung und wird normalerweise in geglühter Form verwendet. Zu den Hauptgründen für eine Wärmebehandlung zählen das Entspannen oder die Verbesserung der Umformbarkeit.
Mechanische Festigkeit (Zugfestigkeit, Streckgrenze und Härte)
- Edelstahl 17-4
Der Edelstahl 17-4 weist eine hohe mechanische Festigkeit auf. Seine Zugfestigkeit beträgt im gealterten Zustand 130.000 psi, die Streckgrenze im gealterten Zustand 110.000 psi. Er lässt sich auf bis zu 45 HRC härten und eignet sich daher für hochfeste Anwendungen in der Luft- und Raumfahrt sowie bei Industriekomponenten.
- Edelstahl 304
Die mechanische Festigkeit von Edelstahl 304 ist geringer als die von 17-4. Er weist eine Zugfestigkeit von 70.000 bis 90.000 psi und eine Streckgrenze von etwa 30.000 psi auf. Der Härtegrad liegt normalerweise bei 20–30 HRC. Er ist zwar weniger fest, verfügt jedoch über eine ausgezeichnete Korrosionsbeständigkeit. Daher kann er in allen Anwendungsbereichen eingesetzt werden, in denen die Festigkeit gegenüber der Langlebigkeit zweitrangig ist, wie beispielsweise in der Lebensmittelverarbeitung und bei medizinischen Geräten.
Duktilität, Dehnung und Umformbarkeit
- Edelstahl 17-4
Der Edelstahl 17-4 ist nicht so duktil und dehnbar wie Edelstahl 304. Seine Wärmebehandlung beträgt in der Regel etwa 15 bis 20 Prozent. Die Legierung ist zudem hart und weniger formbar, insbesondere nach dem Härten. Sie weist keine so gute Formbarkeit auf wie Festigkeit. Allerdings sind für komplexe Formen oder Tiefziehvorgänge weniger Festigkeitseigenschaften erforderlich als die Formbarkeit von stranggepresstem Blech.
- Edelstahl 304
Der Edelstahl 304 weist bessere Duktilität und eine höhere Dehnung als 17-4. Die Dehnung liegt im Bereich von 40 bis 50, wodurch sich das Material leicht formen und bearbeiten lässt. Die Legierung lässt sich sowohl kalt als auch warm sehr gut bearbeiten und eignet sich daher für komplexe Formen.
Zähigkeit, Schlagfestigkeit, Verschleißfestigkeit und Härte
- Edelstahl 17-4
Edelstahl 17-4 zeichnet sich durch hohe Härte und hervorragende Verschleißfestigkeit aus. Zudem weist er eine hohe Ermüdungsfestigkeit auf. Dadurch eignet er sich für den Einsatz in anspruchsvollen Umgebungen, wie beispielsweise in der Luft- und Raumfahrt sowie im Werkzeugbau. Seine Zähigkeit ist jedoch geringer als die von Edelstahl 304, insbesondere bei niedrigen Temperaturen. Edelstahl 17-4 kann relativ spröde werden.
- Edelstahl 304
304 zeichnet sich durch hervorragende Zähigkeit und überragende Schlagfestigkeit aus, selbst bei niedrigen Temperaturen. Dank seiner Duktilität und Formbarkeit eignet es sich ideal für dynamische Anwendungen. 304 ist nicht so hart oder verschleißfest wie 17-4. Es erbringt jedoch gute Leistungen, wenn Zähigkeit und Rissbeständigkeit entscheidender sind.
Korrosionsbeständigkeit (allgemein, Spannungskorrosion, Spaltkorrosion und Chloridumgebungen)
- Edelstahl 17-4
Edelstahl 17-4 weist in einer milden Umgebung eine gute Korrosionsbeständigkeit auf. In chloridhaltigen Umgebungen ist er jedoch anfällig für Spannungsrisskorrosion. Seine Beständigkeit gegen Loch- und Spaltkorrosion ist vergleichbar mit der von 304 oder liegt leicht darüber. Er sollte jedoch nicht in Umgebungen mit hohem Chloridgehalt oder hohen Temperaturen eingesetzt werden.
- Edelstahl 304
Edelstahl 304 zeichnet sich durch eine hervorragende Korrosionsbeständigkeit aus, insbesondere in chloridhaltigen Umgebungen. Er ist sehr widerstandsfähig gegen Gesamtkorrosion, Lochfraß und Spaltkorrosion. Edelstahl 304 hält dem Kontakt mit Meerwasser und aggressiven Chemikalien besser stand als 17-4 PH-Edelstahl. Aufgrund seines hohen Nickelgehalts, der ihn weniger anfällig für Spannungsrisskorrosion macht, ist er besser geeignet.
Magnetische Eigenschaften
- Edelstahl 17-4
17-4 ist ein teilweise magnetischer Edelstahl. Es handelt sich um eine martensitische Legierung, die daher durch Härten magnetische Eigenschaften entwickeln kann. Im Auslieferungszustand ist das Material schwach magnetisch, wird jedoch durch Wärmebehandlung magnetischer. Das magnetische Verhalten des Werkstoffs hängt zudem vom jeweiligen Wärmebehandlungsverfahren ab.
- Edelstahl 304
In seiner geglühten Form ist Edelstahl 304 aufgrund seiner austenitischen Struktur in der Regel nichtmagnetisch. Durch Kaltverformung oder Schweißen kann jedoch eine leichte Magnetisierung hervorgerufen werden. Dennoch ist er überwiegend nichtmagnetisch. Daher eignet er sich gut für Anwendungen, bei denen Magnetismus unerwünscht sein könnte.
Schweißbarkeit und einfache Verarbeitung
- Edelstahl 17-4
Der Edelstahl 17-4 lässt sich schwerer schweißen als der Edelstahl 304. Um Rissbildung zu vermeiden, muss die Wärmezufuhr während des Schweißens präzise geregelt werden. Eine Wärmebehandlung kann erforderlich sein und wird in der Regel nach dem Schweißen durchgeführt, um die mechanischen Eigenschaften wiederherzustellen. Das Material lässt sich schwerer schmieden, insbesondere wenn es gehärtet ist.
- Edelstahl 304
Edelstahl 304 ist sehr langlebig und lässt sich leicht verarbeiten. Er ist austenitisch und lässt sich daher ohne Vorwärmen problemlos schweißen. Außerdem ist er widerstandsfähig gegen Schweißrisse, sodass er für die meisten Schweißverfahren geeignet ist. Aufgrund seiner einfachen Verarbeitbarkeit und Schweißbarkeit wird er in den meisten Anwendungsbereichen bevorzugt eingesetzt.
Kosten, Verfügbarkeit und Beschaffungsfreundlichkeit
- Edelstahl 17-4
Edelstahl der Sorte 17-4 ist aufgrund seines Legierungsgehalts und der speziellen Wärmebehandlung teurer als Edelstahl der Sorte 304. Er ist nicht ohne Weiteres erhältlich, und die Beschaffung kann sich als schwierig erweisen. Die hohe Festigkeit der Legierung und der Wärmebehandlungsprozess tragen ebenfalls zu den Produktionskosten bei. Daher findet 17-4 Anwendung in bestimmten Branchen, die Hochleistungswerkstoffe benötigen.
- Edelstahl 304
Edelstahl 304 ist kostengünstiger und leichter erhältlich. Er gehört zudem zu den am häufigsten verwendeten Edelstählen, weshalb er weltweit leicht zu beschaffen ist. Er findet breite Anwendung in Branchen wie der Lebensmittelverarbeitung und dem Bauwesen, weshalb er bei vielen Anbietern vorrätig ist. Dank dieser guten Verfügbarkeit sind die Kosten niedriger als bei 17-4.
Anwendungen
- Edelstahl 17-4
Edelstahl der Sorte 17-4 ist eine hochfeste, korrosionsbeständige Legierung, die häufig in anspruchsvollen Anwendungsbereichen zum Einsatz kommt. Zu den wichtigsten Branchen zählen die Luft- und Raumfahrt, die Verteidigungsindustrie sowie die chemische Industrie. Zu den typischen Bauteilen zählen Ventile, Wellen und Konstruktionsteile, die rauen Umgebungsbedingungen standhalten müssen.
- Edelstahl 304
Edelstahl 304 ist ein vielseitiger, korrosionsbeständiger Werkstoff, der in verschiedenen Branchen weit verbreitet ist. Er wird vor allem in der Lebensmittelverarbeitung, bei medizinischen Geräten und in der Architektur eingesetzt. Zu den typischen Anwendungsbereichen zählen Tanks, Rohrleitungen, Lagerbehälter und Küchengeräte. Bei diesen Anwendungen sind Korrosionsbeständigkeit und Wartungsfreundlichkeit von entscheidender Bedeutung.
Edelstahl 17-4 vs. 304: Welchen sollten Sie spezifizieren?

Die Wahl zwischen den Edelstahlsorten 17-4 und 304 hängt vom jeweiligen Einsatzzweck ab. 17-4 ist fester und härter. Es eignet sich für anspruchsvolle, belastungsintensive Anwendungen wie beispielsweise in der Luft- und Raumfahrt sowie in der Verteidigungsindustrie. Im Gegensatz dazu zeichnet sich 304 durch Korrosionsbeständigkeit, Formbarkeit und Bearbeitbarkeit aus. Dadurch eignet er sich für Anwendungen in der Lebensmittelverarbeitung, der Medizin und der Architektur.
Wenn Festigkeit und Verschleißfestigkeit im Vordergrund stehen, ist 17-4 die bessere Wahl. Sind hingegen Vielseitigkeit und Korrosionsbeständigkeit wichtiger, ist 304 die bevorzugte Wahl.
Schlussfolgerung
Jede dieser Sorten bietet je nach Ihren Anforderungen ganz eigene Vorteile. 17-4 wird für Anwendungen empfohlen, bei denen hohe Festigkeit und hohe Leistungsfähigkeit gefragt sind. 304 wird aufgrund seiner Korrosionsbeständigkeit und einfachen Verarbeitbarkeit bevorzugt.
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Häufig gestellte Fragen
Bedeutet das “PH” in „17-4 PH“, dass es einer besonderen Behandlung bedarf?
Ja. PH wird abgekürzt als Ausscheidungshärtung. Dies bedeutet, dass es einem speziellen Wärmebehandlungsprozess unterzogen wird. Durch dieses Verfahren werden die Festigkeit und die Härte des Materials erhöht.
Gibt es Fälle, in denen weder 17-4 PH noch 304 ideal sind?
Ja. Unter sehr korrosiven Bedingungen mit starker Einwirkung von Säuren oder Chloriden weisen beide Legierungen möglicherweise keine ausreichende Beständigkeit auf. Hier kommen eher Speziallegierungen zum Einsatz, wie beispielsweise Edelstahl 316. Dieser ist in solchen Situationen aufgrund seiner besseren Korrosionsbeständigkeit möglicherweise besser geeignet.
Wie schneidet die Ermüdungsfestigkeit von 17-4 PH im Vergleich zu 304 ab?
Der Stahl 17-4 PH weist aufgrund seiner Härtung eine deutlich höhere Ermüdungsfestigkeit auf und eignet sich daher für Anwendungen mit hoher Beanspruchung. Im Gegensatz dazu ist die Ermüdungsfestigkeit von 304 geringer, sodass dieser Stahl nicht in Umgebungen eingesetzt werden kann, in denen zyklische Belastungen oder Beanspruchungen auftreten.
Kann 17-4 rosten oder korrodieren, wenn es nicht ordnungsgemäß behandelt wird?
Die Sorte Nr. 17-4 ist korrosionsanfällig, wenn sie unsachgemäß wärmebehandelt oder starken Umwelteinflüssen wie beispielsweise hohen Chloridkonzentrationen ausgesetzt wird. Sie weist zwar eine gute Korrosionsbeständigkeit auf, es muss jedoch sichergestellt werden, dass sie einer geeigneten Nachbehandlung unterzogen wird, um ihre Eigenschaften zu erhalten.
Welche Herausforderungen bei der Herstellung oder Verarbeitung ergeben sich bei 17-4 PH im Vergleich zu 304?
Nach der Wärmebehandlung lässt sich 17-4 PH schwerer bearbeiten und schweißen. Beim Schweißen ist äußerste Präzision erforderlich, um Rissbildung zu vermeiden. 304 hingegen lässt sich leichter schweißen und formen, wodurch es sich besser für die alltägliche Produktion eignet.
